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Medibus: Brückenschlag zwischen der Smart City Hamburg und dem ländlichen Raum in Hessen

Die Idee lag offenbar in der Luft, denn sie wurde zeitgleich in zwei Städten geboren. „Auf dem Gipfel der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 wollten wir nicht   einfach nur Geld spenden“, sagt Mirko Bass von Cisco in Hamburg. Das war die   Motivation, die ihn zusammen mit ein paar Kreativen auf den Gedanken brachte,   einen ausgedienten Schiffscontainer in eine vernetzte Arztpraxis   umzufunktionieren. Zehn solcher Container halfen später, die Gesundheitsversorgung für etwa 30.000 Geflüchtete in der Hansestadt sicherzustellen.

Ganz ähnlich die Situation in Frankfurt am Main, wo Felix Thielmann, Projektentwickler bei DB Regio Bus, und seine Kollegen eine vergleichbare Idee in die Tat umsetzten: „Um auf den demografischen Wandel im ländlichen Raum zu reagieren, haben wir eine Lösung gesucht, um Ärzte wieder dahin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Deshalb bauten wir einen entkernten Stadtbus zu einer mobilen Praxis auf vier Rädern um. Als die Berliner Charité dringend Unterstützung bei der Impfversorgung vieler tausend weiträumig verteilter Flüchtlinge benötigte, kam unser Prototyp dort direkt zum Einsatz.“

Ursprünglich kannten sich die beiden Projektväter nicht. Als sie sich dann zum ersten Mal trafen, erfuhr Felix von einer weiteren Eigenschaft des Hamburger Containers: Dort ließ sich per Videosystem ad hoc ein Dolmetscher hinzuschalten, um die Sprachbarriere zwischen Arzt und Patient zu überbrücken. Das schuf überhaupt erst die Voraussetzung für eine fundierte Anamnese und angemessene Therapie. Eben deshalb hatte Mirko über das Cisco Partner-Ökosystem einen Callcenter-ähnlichen Sprachdienstleister mit 750 Agenten in 50 Sprachen in die Containerlösung integriert.

Gemeinsam erkannten Felix und Mirko, dass ihre Ideen weit über die akuten Anforderungen in der Flüchtlingskrise hinausreichten: „In vielen Gegenden Deutschlands gibt es zu wenig niedergelassene Ärzte, weil sich der Betrieb einer Hausarztpraxis im ländlichen Raum oftmals nicht mehr lohnt“, umreißt Felix ein Folgeproblem der demografischen Entwicklung. Viele ältere Menschen verlassen deshalb ihr gewohntes Umfeld und ziehen in eine Stadt, wo die medizinische Versorgung gewährleistet ist – was die Situation in den betroffenen Dörfern nur noch weiter verschärft. Grund genug für Cisco und DB Regio, den Container- und Impfprototypen mit innovativer Netzwerktechnologie zu einer vollwertigen Hausarztpraxis im Busformat weiterzuentwickeln.

Unterdessen ist daraus ein marktreifes Produkt namens „Medibus“ entstanden, das in bereits dritter Entwicklungsgeneration im April 2019 im Cisco Co-Innovationscenter openBerlin der Presse vorgestellt wurde. Schon zuvor hatte die Kassenärztliche Vereinigung Hessen ein Exemplar im Einsatz, das seither die hausärztliche Versorgung von sechs hessischen Dörfern sicherstellt.

„Per Videokonferenz können künftig auch Fachärzte wie Neurologen oder Internisten direkt während einer Medibus-Behandlung konsultiert werden“, denkt Mirko Bass inzwischen weiter. Dann bräuchten Patienten weniger Überweisungstermine – und der ländliche Raum würde in Sachen Versorgungsqualität manche Metropole sogar noch überflügeln.

Der Medibus von DB und Cisco gewinnt den Mobilitätspreis 2019