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Wi-Fi 6 und 5G konkurrieren nicht miteinander, sondern ergänzen sich

Derzeit wird vor allem 5G als ultimative Technologie zur Steigerung der Netzwerkleistung gefeiert, doch auch die Vorteile von Wi-Fi 6 sind nicht zu verachten. 

Sowohl beim Mobilfunk als auch bei Wi-Fi-Netzwerken stehen umfassende Upgrades an. Dabei sorgen die beiden Technologien sowohl einzeln als auch in Kombination für Verbesserungen. Gemeinsam schließen sie Lücken in Umgebungen, für die andere Technologien nicht ideal sind.

5G und Wi-Fi 6 werden bei der digitalen Transformation von Unternehmen in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen. Einfach formuliert werden Architekten wo immer möglich Wi-Fi 6 nutzen und 5G nur dort, wo es unumgänglich ist. Wi-Fi 6 wird zwar in vielen Fällen kostengünstiger und schneller sein, aber es wird nicht überall zur Verfügung stehen. Gemeinsam können diese Technologien Kostensenkungen und maximale Leistung ermöglichen.

Nachfolgend betrachten wir einige der Vorteile von Wi-Fi 6 und 5G und analysieren wahrscheinliche Anwendungsbeispiele für die beiden Technologien in Unternehmen.

Vorteile von Wi-Fi 6 für Unternehmen

Klären wir zunächst die Grundlagen. Die Wi-Fi Alliance hat die Norm IEEE 802.11ax in „Wi-Fi 6“ umbenannt, weil es sich um die sechste Wi-Fi-Generation handelt. (Der bestehende Standard 802.11ac wird dementsprechend als „Wi-Fi 5“ bezeichnet.)

Einer der meistgenannten Vorteile von Wi-Fi 6 ist die höhere Geschwindigkeit im Vergleich zu früheren Iterationen. Wi-Fi 6 könnte Geschwindigkeiten von knapp 10 Gbit/s erzielen und damit um bis zu 40 % schneller sein als Wi-Fi 5. Neben der höheren Geschwindigkeit ermöglicht es Wi-Fi 6, die Netzwerkkapazität auf eine Gruppe von Geräten zu verteilen. Dieser Faktor wird eine bedeutende Rolle spielen, wenn die Anzahl der Geräte weiter steigt. So erwartet beispielsweise Statista, dass im Jahr 2020 die durchschnittliche Anzahl der vernetzten Geräte pro Person bei 6,58 liegen wird. Das bedeutet insgesamt etwa 50 Milliarden vernetzte Geräte. Wi-Fi 6 wird das Management dieser zusätzlichen Geräte in Unternehmen und Privathaushalten vereinfachen.

Bei 5G-Wireless dagegen beträgt die prognostizierte theoretische Höchstgeschwindigkeit bei gemeinsamer Nutzung 10 bis 20 Gbit/s. 5G wird also schneller sein als Wi-Fi 6.

Die tatsächliche Geschwindigkeit von Wi-Fi 6 und 5G hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, sodass die theoretischen Höchstgeschwindigkeiten in der Praxis möglicherweise nicht zu erreichen sind. Zu den Einflussfaktoren zählen die Anzahl der Geräte pro 5G-Zelle sowie die Entfernung und mögliche Hindernisse zwischen einem per 5G verbundenen Gerät und dem 5G-Mast. Letztlich werden die einzelnen Wireless-Verbindungen bei Wi-Fi 6 einen wesentlich höheren Durchsatz und eine niedrigere Latenz aufweisen als bei 5G, sofern die Wi-Fi 6-Bereitstellung sorgfältig geplant und umgesetzt wird.

5G und Wi-Fi 6

Bei ordnungsgemäßer Bereitstellung kommt ein weiterer Vorteil von Wi-Fi 6 zum Tragen: Die fast komplette Abdeckung innerhalb eines Gebäudes ist einfacher zu gewährleisten als bei 5G. Dies ist vor allem auf die Verbesserungen im Bereich der MIMO-Technologie (Multiple Input Multiple Output) bei Wi-Fi 6 zurückzuführen. Wie bereits erwähnt, erhöht sich bei Wi-Fi 6 außerdem die Netzwerkkapazität mit zunehmender Anzahl der Wireless-Geräte.

Als Nächstes ist zu berücksichtigen, dass die meisten Unternehmen 5G von einem Wireless-Anbieter beziehen werden. Ein wichtiger Unterschied zwischen Wi-Fi 6 und 5G besteht also darin, dass Wi-Fi eine WLAN-Technologie ist und 5G eine Breitband-Mobilfunktechnologie. Bei 5G müssen Verbindungen zu den Anwendungen, Daten und Services in einem Unternehmens-LAN per Remote-Zugriff auf Anwendungen und Daten über das Internet durch einen sicheren Kanal wie einen VPN-Tunnel für Remotezugriff erfolgen. Wi-Fi 6 dagegen ist als Teil eines sicheren Unternehmens-LAN ausgelegt und wird daher durch Sicherheitsmaßnahmen am Edge vor nicht vertrauenswürdigen Netzwerken geschützt.

Wi-Fi-Geräte sind weiter verbreitet als 5G-fähige Geräte (oder selbst 4G- und 3G-kompatible Geräte). Einige der neuesten Smartphones haben zwar inzwischen 5G-fähige Chips (neben Wi-Fi 6), aber die meisten anderen Wireless-Geräte wie Laptops und intelligente Geräte sind in der Regel nur mit Wi-Fi-Funktionen ausgestattet. Angesichts der weiten Verbreitung von Wi-Fi 6-kompatiblen Geräten und der nötigen Vorlaufzeit für die 5G-Infrastruktur ist bei Wi-Fi 6 mit einer schnelleren Einführung zu rechnen.

Hinzu kommt, dass Wireless-Geräte meist im Wi-Fi-Betrieb deutlich weniger Akkustrom verbrauchen als im 5G-Betrieb. Auch hier wird die zum Verbinden und zum Senden/Empfangen von Daten benötigte Akkuleistung in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren stark variieren. Zur besonders hohen Akkueffizienz bei Wi-Fi 6 trägt eine darin implementierte Funktion namens Target Wake Time (TWT) bei.

Der letzte – und oft wichtigste – Faktor sind die Kosten. Wie bei früheren Technologien von Mobilfunkbetreibern ist ein 5G-Abonnement deutlich teurer als ein typischer Wi-Fi 6-Bereitstellungszyklus. Dies gilt auch und besonders in der heutigen mit dem Internet of Things (IoT) verbundenen Geschäftswelt: Einem Unternehmen entstehen deutlich geringere Kosten, wenn es am Arbeitsplatz Wi-Fi anbietet, statt 5G zu nutzen.

So ergänzen sich die Vorteile von Wi-Fi 6 und 5G

Natürlich hat die 5G-Technologie auch einige Vorteile gegenüber Wi-Fi 6. 5G wird die Unternehmens-IT in für Wi-Fi weniger geeigneten Bereichen revolutionieren. Das Mantra für Netzwerkarchitekten lautet auch hier: Wi-Fi wo immer möglich, 5G wo unbedingt nötig.

Ein Beispiel für dieses Prinzip ist die Bereitstellung von IoT-Sensoren bei mehreren Hundert oder Tausend IoT-Geräten, für die Wireless-Netzwerkverbindungen erforderlich sind. In Unternehmensgebäuden wird Wi-Fi 6 die Wireless-Technologie der Wahl für IoT-Geräte sein. Wenn das IoT die vier Wände des Gebäudes verlässt, können Sensoren per 5G dennoch mit guter Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit verbunden werden.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist 5G als Grundlage für mobiles Breitband-Internet an vorübergehenden oder mobilen Standorten. Die Benutzer können sich dann per Wi-Fi mit anderen Wireless-Benutzern vernetzen. Dazu sind 5G-fähige Router oder Firewalls in Kombination mit integrierten oder externen Wireless Access Points erforderlich, sodass andere über eine einzige 5G-Breitbandverbindung auf das Internet zugreifen können.

Last but not least wird 5G wahrscheinlich in Situationen eingesetzt werden, in denen kein effizienter Wi-Fi-Betrieb möglich ist. Dazu ist anzumerken, dass die Wi-Fi-Frequenzen 2,4 und 5 GHz im nicht lizenzierten Frequenzbereich liegen. Aus diesem Grund haben einzelne Benutzer oder Unternehmen keine Eigentumsrechte an dem Wireless-Frequenzbereich, in dem Wi-Fi betrieben wird. Beim lizenzierten 5G-Frequenzbereich ist der Fall anders gelagert. So kann es vorkommen, dass beispielsweise in von mehreren Unternehmen genutzten Gebäuden Störungen im Wireless-Frequenzbereich auftreten. In diesen Fällen ist von 5G, das in einem vom Betreiber lizenzierten Frequenzbereich betrieben wird, eine deutlich höhere Leistung zu erwarten als von Wi-Fi.

Eine Geschichte von zwei Technologien

IT-Profis liegen richtig, wenn sie 5G als nächste Revolution für Wireless-Netzwerkverbindungen in Unternehmen betrachten. Die Technologie birgt gegenüber 3G, 4G und LTE erhebliche Vorteile. Dennoch sollten wie erwähnt auch die Vorzüge von Wi-Fi 6 nicht außer Acht gelassen werden. Es bietet zahlreiche Funktionen und die Möglichkeit, Wi-Fi-Benutzer deutlich effizienter und zuverlässiger als bisher anzubinden. Gemeinsam genutzt – und in den passenden Situationen bereitgestellt – ermöglichen die beiden Technologien Unternehmen Flexibilität bei der Vernetzung von Benutzern und Geräten innerhalb und außerhalb des Unternehmens-LAN.

Andrew Froehlich

Andrew Froehlich ist der Vorsitzende von West Gate Networks, einem IT-Beratungsunternehmen und Service-Provider. Er hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich Unternehmens-IT. Sein primärer Fokus liegt auf LAN- und WLAN-Technologien von Cisco, Sprachnetzwerk-Design, Implementierung und Support, aber auch Netzwerksicherheit. Froehlich konnte Erfahrungen im Bereich Netzwerkinfrastruktur-Upgrades und neue Erweiterungsausbauten sammeln. Ebenso war er maßgeblich an der Konzeption von Rechenzentrums-Architekturen beteiligt, mit denen die Bereitstellung von fehlertoleranten Unternehmensanwendungen und -Services an Tausende Benutzer möglich ist.

Lauren Horwitz ist Managing Editor von Cisco.com, wo sie sich mit dem Markt für IT-Infrastruktur befasst und Content-Strategien entwickelt. Zuvor war Horwitz Senior Executive Editor im Bereich Business Applications and Architecture bei TechTarget, Senior Editor bei der IT-Forschungsgruppe Cutter Consortium und Editor beim American Prospect, einer politischen Fachzeitschrift. Sie erhielt Auszeichnungen von der American Society of Business Publication Editors (ASBPE), einen Best of the Web Award von min sowie den Kimmerling-Preis für die beste Abschlussarbeit für ihre Redaktionsarbeit am Zeitschriftenartikel „The Fluid Jurisprudence of Israel's Emergency Powers“.