RFID Ready Networks

Industrie und Handel entdecken den Transponder neu. Vom kleinen Funkchip erwarten sie einen großen Effizienzgewinn für ihre weltumspannenden Logistikketten. Mit Chip und Empfangsgerät allein ist es aber nicht getan: Die globalisierte Wirtschaft verlangt auch nach global gültigen Produktkennungen. Außerdem müssen Unternehmensnetze künftig in der Lage sein, zugehörige Warenwirtschaftsinformationen in Sekundenschnelle überall auf der Erde bereitzustellen. Darum hat der Weltmarktführer Cisco seinen Netzen auch RFID beigebracht. Es soll eine Kaugummiverpackung gewesen sein, die vor dreißig Jahren erstmals ein schwarzes Streifenmuster trug. Schnell folgten alle anderen Waren: Der Strichcode erobert die Supermärkte und gräbt der Registrierkasse ihr Grab.

Jetzt schlägt dem Barcode selbst die Stunde; seine Tage scheinen gezählt. Denn für die weltweiten Güter- und Warenströme unserer Zeit ist die bejahrte Technik alles andere als optimal: Auf Sichtverbindung angewiesen, genügt oft schon eine kleine Verunreinigung auf einem Kartonetikett, ein Spritzer Schmutz etwa beim Umladen im Freien und die chiffrierte Information ist unlesbar oder verfälscht. Über den Inhalt des Kartons geben die Strichkaskaden ohnehin nur unzureichend Auskunft: Barcodes auf Unterverpackungen oder Einzelprodukten sind von außen mit keinem Scanner auszulesen.

Summarische Angaben und anfällige Systeme werden den heutigen Anforderungen in Handel, Logistik und Industrie sowenig gerecht wie die gängigen Codierungsformate. Auch sie entstammen einer Zeit, die von Internet und Globalisierung nichts wusste.


Erst EPC macht aus RFID eine Schlüsseltechnologie

Abhilfe versprechen sich Unternehmen von RFID, Radio Frequency Identification. Die Technologie an sich ist nicht neu; sie bewährt sich zum Beispiel seit Mitte der achtziger Jahre bei der Tieridentifikation: Den Tieren wird hierbei ein Transponder in Reiskorngröße unter die Haut implantiert. Solche Speicherchips sind mit einer Miniantenne ausgestattet und im Fall der Tieridentifikation mit Glas umhüllt. Für andere Anwendungen gibt es sie aber auch flach, zum Beispiel als Kleb-Etiketten, kaum dicker als Papier.

Gelesen wird die gespeicherte Information per Funk, also berührungslos und folglich abnutzungsfrei. Auf gute Sicht muss nicht geachtet werden; Funkwellen durchdringen problemlos Pappe, Kunststoff oder Glas. Passive Transponder benötigen keine eigene Stromversorgung; ihnen genügt die Energie, die das Funksignal eines Lesegeräts enthält. Nur, wenn große Abstände überbrückt werden müssen, sind aktive Tags mit eigener Batterie erforderlich.

Zusammen mit der weltweit einheitlichen Produktkennung EPC (Electronic Product Code) gilt RFID als die Schlüsseltechnologie für das so genannte Pervasive Computing. Analysten von Forrester sprechen auch vom erweiterten Internet, dem "Internet der Dinge", weil EPC für jedes Produkt eine exklusive Kennung vorsieht: Ganze 96 Zeichen (weniger als eine SMS-Nachricht) reichen aus, um für 268 Millionen Hersteller jeweils 16 Millionen verschiedene Produkte und je Produkt sagenhafte 68 Milliarden Einzelexemplare zu kodieren. EPCglobal ist ein Verband, in dessen Direktorium neben Cisco unter anderem auch Gillette, Procter & Gamble, Wal Mart, Hewlett-Packard und die Metro AG vertreten sind.


Auf das Netzwerk kommt es an

Da bei RFID mit einem Schlag bis zu 200 Tags gleichzeitig gelesen werden können, stauen sich auch randvolle Warenkörbe an keiner Supermarktkasse mehr. Inventuren erledigen sich praktisch nebenbei, durch bloßes Vorübergehen am Regal. Und für die Logistik in Produktionshallen, auf Schienen, Straßen, Flughäfen und Schiffen sagen die Marktforscher dank direkter Verzahnung mit der Warenwirtschaft eine wahre Produktivitätsrevolution voraus.

Kein Wunder also, wenn sich Wal-Mart und Metro für EPC und RFID einsetzen. Dass sich auch Netzwerkriese Cisco für die Standardisierung von EPC stark macht, hat seinen guten Grund: Soll aus der Vision absoluter Transparenz entlang weltweiter Lieferketten bezahlbare Realität werden, brauchen die Unternehmen dafür geeignete Netzwerke. Denn Kodierungen müssen ja in Hersteller- und Produktdaten umgesetzt werden, wofür analog zum Internt-DNS (Domain Name Service) ein Object Name Service sorgen soll.

Das Verkehrsaufkommen in den Datennetzen wird dadurch rasant ansteigen. Aber nicht nur damit muss das Netzwerk fertig werden: Es muss auch intelligent genug sein, um EPC-Informationen möglichst nah an der Quelle zu erkennen und RFID-Datenströme mit Vorrang zu transportieren. Denn E-Business in Echtzeit ist wichtiger als beispielsweise E-Mails. "Quality of Service" nennen das die Netzwerkprofis.

Ob Unternehmen sich mit RFID rechtzeitig einen Wettbewerbsvorsprung sichern und wie schnell sich ihre Ausgaben dafür refinanzieren werden, entscheidet sich daher vor allem an der Fähigkeit ihrer Netze, EPC als zusätzlichen Service schnell und kostengünstig zu adaptieren. Sollen die Investitionen auch langfristig geschützt bleiben, ist zudem auf skalierbare Lösungen zu achten, die unabhängig von RFID-Geräten eines bestimmten Herstellers sind. All das hat Cisco jetzt auf einen Begriff gebracht: RFID Ready Networks. Die Netzwerk-Management-Lösung Cisco Network Registrar ermöglicht die Konfiguration und Installation von RFID-Geräten über das Netzwerk. Zudem können Middleware Server mit der IP-Kommunikations-Infrastruktur kommunizieren, um Status-Signale und Updates in Echtzeit zu senden.