Globalisierung, Deregulierung, wachsende Konkurrenz durch Finanzmakler,
die nicht aus dem Bankbereich stammen sowie nicht-bankfähige Finanzdienstleister,
veränderte Technologien, die wachsende Rolle des Staates, demografische
Entwicklungen und schließlich die Eurozone – all diese Faktoren verschärfen
den Wettbewerb im Finanzdienstleistungs-Markt. Neue Technologien und besonders
das Internet haben die Markteintritts-Barrieren gesenkt und die Konkurrenz
durch ausländische Firmen vergrößert. Die Gewinnmargen geraten zunehmend
unter Druck, da die Kunden besser informiert sind, der Markt transparenter
ist und alte und neue Unternehmen Marktanteile aufkaufen, um sich so die
besten Kunden und Produkte herauszupicken. JP Morgan schätzt, dass das
Internet den Ertrag aller Banken um insgesamt 6,9 Milliarden US-Dollar
senken könnte (das entspricht 17 Prozent der für das Jahr 2000 prognostizierten
Gewinne). MSDW erwartet, dass die Margen bei Risiko-Lebensversicherungen
in den nächsten zwei Jahren um 10 Prozent sinken werden. Mittlerweile
sind viele Aktionäre wegen sinkender Nettozins-Margen und Kapitalerträge
beunruhigt, da sich ihre Gesamt- und Eigenkapitalrenditen zunehmend verschlechtern.
Positiv für die Branche ist, dass die defizitären Rentensysteme in vielen europäischen
Ländern (das Defizit in Austria beläuft sich auf 2,6 Milliarden Euro) die
Nachfrage nach langfristigen Sparprodukten ankurbelt.
Finanzdienstleistungen und Internet: Zukünftige
Stärken
Mit der digitalen Revolution entstehen Risiken f ür zu langsam reagierende
Finanzunternehmen. Für sie könnten nur die Verwaltung wenig rentabler
Girokonten übrig bleiben, wofür sie zusätzlich einen teuren Vertrieb benötigen.
Die Top-Kunden wählen andere Unternehmen, bei denen sie ihre Investment-
und Darlehens-Produkte kaufen. Dennoch gibt es Chancen:
- die Aussicht auf enorme Kosteneinsparungen und Verbesserungen der
Produktivität durch Re-Engineering-Prozesse und Betriebsrentabilität.
- die Möglichkeit, neue Einnahmen durch Cross-Selling von neuen Produktkategorien
zu generieren sowie neue Kundensegmente und Märkte zu erschließen
- ein kostengünstiger Weg, um die Präsenz in Europa schrittweise auszubauen
- die Möglichkeit, eine größere Zahl von Top-Kunden anzuziehen und zu binden
und HNW-Dienste mit geringen Zusatzkosten auszubauen
Darüber hinaus schätzen Markt- und Finanzanalysten, dass die übrig gebliebenen
Finanzdienstleister zu Einzel- oder Großhändlern werden, deren Zielgruppen entweder
hochprofitable Privatkunden oder Unternehmen sind.
Neue Grundlagen
In welchem Gebiet ein Unternehmen auch t ätig sein will – bei Herstellung
oder Vertrieb von Produkten erfordert die digitale Revolution, dass es
sich auf drei neue Geschäftsgrundlagen einstellen kann:
- Virtuelle Wertschöpfungskette: Bestandteile der Wertschöpfungskette
wie Contact Center, Reklamationswesen und die Verwaltung werden ausgelagert
- Neue Finanz-Ecosystems: ein größeres Produkt-Portfolio, das Erschließen
neuer Gebiete und eine neue Vertriebs-Infrastruktur wie GSM setzen hohe Investitionen
voraus. Durch Bildung eines Ecosystems mit Geschäftspartnern, die in der gleichen
oder einer anderen Branche tätig sind, wird der erforderliche Investitionsaufwand
verkleinert und die Produkteinführungszeit verkürzt. Einige Analysten nennen
dieses Modell "Open Finance House".
- Clicks and Mortar: 80 Prozent der Versicherungsprodukte werden Bedarfsartikel.
Durch Nutzung des kosteneffektivsten Kanals vom Internet bis zur Zweigstelle
und bei allen Transaktionen mit den Kunden entstehen die niedrigsten Vertriebskosten,
insbesondere bei Weißer Ware (Haushaltsgeräte).
Die Herausforderung für die Geschäftsleitung liegt darin, eine dafür erforderliche
Web-fähige Infrastruktur als Fundament aufzubauen. Internet Business Solutions
unterstützen Einzelhandels-, Investitions- und Versicherungsunternehmen, sich
den speziellen Anforderungen zu stellen.